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A Godly Environment: Religious Views of Nature in Early Sixteenth-Century Strasbourg

Rowlatt, Linnéa A Godly Environment: Religious Views of Nature in Early Sixteenth-Century Strasbourg. Doctor of Philosophy (PhD) thesis, University of Kent, Freie Universität Berlin. (KAR id:55002)

Abstract

This thesis offers three case studies of religious representations of the natural world in Strasbourg from 1510 to 1541 from the perspective of the interactive model of socioeconomic metabolism. This model proposes that long-term environmental instability will exert a negative effect on human / social biophysical structures and may provoke changes in the manner in which the natural world is represented within that culture. Although direct causation is impossible to prove due to the autonomous nature of the cultural sphere, this thesis suggests that the two case studies of early sixteenth-century religious reforms in Strasbourg indicate the presence of theological innovations that changed the conceptual relationship between faithful Christians and Creation, thereby offering an enhanced capacity for adherents to exploit the metabolic opportunities in their natural environment. Further, it suggests that these cultural developments were supported and strengthened in part by the stresses society experienced from the natural world.

The first case study focuses on Die Emeis, forty-one sermons delivered by Johann Geiler von Kaysersberg in the Liebfrauenmünster zu Strasbourg for Lent 1509. By reading against the grain of these sermons delivered by a well-known and highly respected Doctor of Theology, an orthodox Catholic representation of the natural world and the appropriate human relationship with it is revealed. This chapter also includes information about pre-Reform society in Strasbourg and Alsace, in order to provide a basis of comparison for later developments.

The model of socioeconomic metabolism suggests that following an extended period of material insecurity and social instability caused by environmental uncertainty, cultural agents will modify the representation of nature in order to render human colonization of the natural world more effective. While it is impossible to firmly attribute causality for developments in the religious view of nature to environmental stress, it can be shown that the weather during the decades at the eve of the Protestant Reformation repeatedly limited or removed adequate metabolic intake from those disadvantaged by an increasingly unequal society, contributing to social instability which culminated in the 1525 German Peasants' War. Representations of nature in the examples studied from the new religious movements removed layers of spiritual mediation between humanity and nature which had been and continued to be accepted by the Roman Catholic Church, specifically articulating views which encouraged greater exploitation of the natural environment. Those who rebelled are known to have strongly favoured the new theologies, indicating the possibility that part of the widespread support in Alsace for reformed and radical theology may have been due to the enhanced conceptual opportunities they provided for exploiting the natural environment.

Die vorliegende Doktorarbeit beleuchtet in drei Fallstudien religiöse Sichtweisen auf die natürliche Welt in Straßburg zwischen 1510 und 1541 aus der Perspektive des interaktiven Modells des sozio-ökonomischen Metabolismus. Dieses Modell geht davon aus, dass eine andauernde Instabilität der Umwelt negative Auswirkungen auf biophysikalische Strukturen der Gesellschaft hat und Veränderungen in der Repräsentation der natürlichen Welt in dieser Kultur hervorrufen kann. Aufgrund des autonomen Charakters der kulturellen Sphäre ist es zweifellos unmöglich, einen direkten kausalen Zusammenhang nachzuweisen. Die beiden Fallstudien zu religiösen Entwicklungen im Straßburg des frühen 16. Jahrhunderts legen jedoch theologische Neuansätze nahe, welche die konzeptuelle Beziehung zwischen gläubigen Christen und der Schöpfung veränderten. Auf diese Weise befähigten sie ihre Anhängerinnen und Anhänger, die metabolischen Möglichkeiten ihrer natürlichen Umgebung besser auszuschöpfen. Diese kulturellen Entwicklungen wurden vorangetrieben und zum Teil auch verstärkt durch die biophysikalischen Belastungen, mit denen große Teile der Gesellschaft zu kämpfen hatten.

Um das Modell zu testen, werden drei religiöse Perspektiven als Fallstudien untersucht: römisch-katholisches, radikales und evangelisches Christentum. Trotz ihrer zeitlichen und geographischen Nähe bieten sie unterschiedliche theologische Vorstellungen von Natur an. Vorläufige Schlussfolgerungen aus ihrem Nebeneinander und ihren Bezügen zu den klimatischen Bedingungen legen nahe, dass das Modell hilfreich ist, um die komplexen sozialen und kulturellen Veränderungen während der Reformation besser zu verstehen.

Die zweite Fallstudie untersucht drei Quellen, die in der ländlichen Bevölkerung des Elsass zwischen 1515 und 1525 sehr verbreitet waren: das Wetter Büchlin des Astrologen Leonhard Reynmann, Ein Fast schon büchlin von Clemens Zyegler, einem Laien-Theologen aus Strasbourg, und Artikel IV der Zwölf Artikel, welche die Grundlage der bäuerlichen Forderungen während des Deutschen Bauernkrieges bildeten. Die dritte Fallstudie legt den Fokus auf Hexemeron Dei opus des Straßburger Reformers Wolfgang Capito. In einer Exegese von Genesis 1-11 schreibt Capito ausdrücklich über die göttliche Schöpfung für die menschliche Erlösung. Die Nachwirkungen des Bauernkrieges in Straßburg und im Elsass werden hier ebenso beschrieben wie soziale Initiativen in Straßburg, unter ihnen Reformen der Wohlfahrt und der Bildung, die von Reformatoren befürwortet wurden.

Das Modell des sozio-ökonomischen Metabolismus legt nahe, dass auf eine ausgedehnte Periode materieller Unsicherheit und sozialer Instabilität, die durch klimatische Unwägbarkeiten hervorgerufen wurde, kulturelle Akteure die Repräsentation der Natur modifizieren, um die Beherrschung der Natur durch die Menschen effektiver zu gestalten. Es ist nicht möglich, zwischen Veränderungen der religiösen Vorstellungen über die Natur und Umweltbelastungen eine eindeutige kausale Beziehung herzustellen. Es kann aber gezeigt werden, dass das Wetter in den Jahrzehnten direkt vor der protestantischen Reformation wiederholt die metabolische Aufnahme für jene Bevölkerungsgruppen begrenzte oder jenen gar entzog, welche durch zunehmende soziale Ungleichheiten benachteiligt waren. Dies trug zu den sozialen Unruhen bei, die 1525 im Deutschen Bauernkrieg kulminierten. Die Vorstellungen von Natur, die sich in den untersuchten Beispielen der neuen religiösen Bewegungen finden lassen, beseitigten die Ebenen der spirituellen Vermittlung zwischen Mensch und Natur, welche von der alten Kirche akzeptiert worden waren und weiterhin akzeptiert wurden, und zwar insbesondere dadurch, dass sie die Menschen dazu ermutigten, die Natur für ihre Zwecke zu nutzen. Die Tatsache, dass die Aufständischen die reformatorischen Lehren unterstützten, deutet darauf hin, dass die in theologischen Positionen der Reformatoren entwickelten Möglichkeiten, die natürlichen Ressourcen auszubeuten, eine Rolle spielten.

Item Type: Thesis (Doctor of Philosophy (PhD))
Thesis advisor: Fincham, Kenneth
Thesis advisor: Ulbrich, Claudia
Uncontrolled keywords: environmental history; history of religion; conceptual history; Protestant Reform; Strasbourg; peasant studies; Geiler von Kaysersberg; German Peasants' War;
Subjects: B Philosophy. Psychology. Religion > BL Religion
C Auxiliary Sciences of History > CB History of civilization
Divisions: Divisions > Division of Arts and Humanities > Centre for Medieval and Early Modern Studies
Depositing User: Users 1 not found.
Date Deposited: 18 Apr 2016 09:00 UTC
Last Modified: 16 Feb 2021 13:34 UTC
Resource URI: https://kar.kent.ac.uk/id/eprint/55002 (The current URI for this page, for reference purposes)
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